Weihnachtsgedichte sind nicht nur schön und besinnlich, in einigen Gegenden ist es zum teil eine Tradition, das die Kinder vor der Bescherung vor dem Weihnachtsbaum ein Gedicht aufsagen mussten, bevor es die Geschenke gab.
Auf dieser Seite möchten wir Ihnen einige schöne Gedichte vorstelln.
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"Weihnachten" Markt und Straßen stehn verlassen, Still erleuchtet jedes Haus, Sinnend geh ich durch die Gassen, Alles sieht so festlich aus. An den Fenstern haben Frauen Buntes Spielzeug fromm geschmückt Tausend Kindlein stehn und schauen, Sind so wunderstill beglückt. Und ich wandre aus den Mauern Bis hinaus ins freie Feld, Hehres Glänzen, heilges Schauern! Wie so weit und still die Welt! Sterne hoch die Kreise schlingen, Aus des Schnees Einsamkeit Steigts wie wunderbares Singen - O du gnadenreiche Zeit! Joseph von Eichendorff (1788 - 1857) |
"Weihnacht" Wir harren, Christ, in dunkler Zeit, gib deinen Stern uns zum Geleit auf winterlichem Feld. Du kamest sonst doch Jahr um Jahr, nimm heut auch unsre Armut wahr in der verworrnen Welt. Es geht uns nicht um bunten Traum von Kinderlust und Lichterbaum; wir bitten: Blick uns an und lass uns schaun dein Angesicht, drin jedermann, was ihm gebricht , gar leicht verschmerzen kann. Es darf nicht immer Friede sein. Wer`s recht begreift, der gibt sich drein , hat jedes seine Zeit. Nur deinen Frieden, lieber Herr, begehren wir je mehr und mehr, je mehr die Welt voll Streit. Rudolf Alexander Schröder (1878 - 1962) |
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"Ach Kindlein" Ach Kindlein, mach uns alle hier deines Heils gewiß, denn draußen vor dem Stalle ist lauter Finsternis. Nimm alles, was wir haben, nimm unsre Schuld, laß unser Herz sich laben an deiner Gotteshuld! Heinrich Vogel (1902 - 1989) |
"Anbetung" Wir sind mit unserer Königsmacht schwermütig hergeritten. Es schneite auf uns Tag und Nacht, auf Mann und Pferd und Schlitten. Die Tür geht auf, es summt der Wind, wir beugen unsern Rücken, da wir die Krippe und das Kind im Dämmerlicht erblicken. Hier ist das Gold, der Weihrauch hier und hier, o Kind, die Myrrhen. Du lächelst, und schon fühlen wir, wie wir uns ganz verwirren. Wir haben anders dich geglaubt. Nun treten wir ins Dunkel und heben ab von unserm Haupt der Kronen Goldgefunkel. Das Wissen von der bunten Welt, vom Meer und seinen Häfen, von Mond und Stern am Himmelszelt, wir streifen's von den Schläfen. Das Ich, das trotzig sich erschuf Aber den andern allen, will nun wie ein verlorner Ruf im Innersten verhallen. Wir neigen unsers Alters Gram auf deine kleinen Hände. Und in dem Neigen wundersam geht alle Not zu Ende. Die Pferde drauen schütteln sich und klirren mit den Glocken. Und lautlos fallen Strich an Strich darüberhin die Flocken. Manfred Hausmann (1898 - 1986) |
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"Vom Christkind" Denkt euch, ich habe das Christkind gesehen! Es kam aus dem Walde, das Mützchen voll Schnee, mit rotgefrorenem Näschen. Die kleinen Hände taten ihm weh, denn es trug einen Sack, der war gar schwer, schleppte und polterte hinter ihm her. Was drin war, möchtet ihr wissen? Ihre Naseweise,ihr Schelmenpack - denkt ihr, er wäre offen der Sack? Zugebunden bis oben hin! Doch war gewiss etwas Schönes drin! Es roch so nach Äpfeln und Nüssen! Anna Ritter (1865-1921) |
"Weihnachtszeit" O schöne, herrliche Weihnachtszeit! Was bringst du Lust und Fröhlichkeit! Wenn der heilige Christ in jedem Haus teilt seine lieben Gaben aus. Und ist das Häuschen noch so klein, so kommt der heilige Christ hinein, und alle sind ihm lieb wie die Seinen, die Armen und Reichen, die Grossen und Kleinen. Der heilige Christ an alle denkt, ein jedes wird von ihm beschenkt. Drum lasst uns freuen und dankbar sein! Er denkt auch unser, mein und dein! Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) |
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Das Wunder der Heiligen Nacht. Weihnachten ist das große Wunder der vergebenden Gnade Gottes; den verlorenen Leuten bietet ER ewiges Leben. Das ist das Wunder der Heiligen Weihnacht, dass ein hilfloses Kind unser aller Helfer wird. Das ist das Wunder der Heiligen Nacht, dass in die Dunkelheit der Erde die helle Sonne scheint, Das ist das Wunder der Heiligen Nacht, dass traurige Leute ganz fröhlich werden können. Das ist das Wunder der Heiligen Nacht: Das Kind nimmt unser Leben in seine Hände, um es niemals wieder loszulassen. Friedrich von Bodelschwingh (1831-1910) |
"Die heil'gen Drei Könige" Die heil'gen Drei Könige aus dem Morgenland, sie frugen in jedem Städtchen: "Wo geht der Weg nach Bethlehem, ihr lieben Buben und Mädchen?" Die Jungen und Alten, sie wussten es nicht, die Könige zogen weiter, sie folgten einem goldenen Stern, der leuchtete lieblich und heiter. Der Stern bleibt stehn über Josefs Haus, da sind sie hineingegangen; das Öchslein brüllt, das Kindlein schrie, die heil'gen Drei Könige sangen. Heinrich Heine (1797-1856) |
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"Wiegenlied" Hier unterm Turme hier wehet kein Wind, hier betet die Mutter und wieget ihr Kind, und hat von der Wiege zur Krippe ein Band von Glaube und Hoffnung und Liebe gespannt. Weit über die Meere die Sehnsucht sie spinnt, dort sitzet Maria und wieget ihr Kind, die Engel, die Hirten, drei König und Stern und Öchslein und Eslein erkennen den Herrn. Wohl über dem Monde und Wolken und Wind mit Zepter und Krone steht Jungfrau und Kind. Hier unten ward's Kindlein am Kreuz ausgespannt, dort oben wiegt's Himmel und Erd auf der Hand. Komm mit, lass uns fliegen zu Maria geschwind, kommt mit! und lern biegen dein Knie vor dem Kind, komm mit! schnür dein Bündlein, schon führet die Hand Maria dem Kindlein, es segnet das Land. Clemens von Brentano (1778 - 1842 |
"Knecht Ruprecht" Von drauss' vom Walde komm ich her; Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr! Allüberall auf den Tannenspitzen Sah ich goldene Lichtlein sitzen; Und droben aus dem Himmelstor Sah mit grossen Augen das Christkind hervor; Und wie ich so strolcht' durch den finstern Tann, Da rief's mich mit heller Stimme an: "Knecht Ruprecht", rief es, "alter Gesell, Hebe die Beine und spute dich schnell! Die Kerzen fangen zu brennen an, Das Himmelstor ist aufgetan, Alt' und Junge sollen nun Von der Jagd des Lebens einmal ruhn; Und morgen flieg ich hinab zur Erden, Denn es soll wieder Weihnachten werden!" Ich sprach: "O lieber Herre Christ, Meine Reise fast zu Ende ist; Ich soll nur noch in diese Stadt, Wo's eitel gute Kinder hat." - "Hast denn das Säcklein auch bei dir?" Ich sprach: "Das Säcklein, das ist hier: Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern Fressen fromme Kinder gern." - "Hast denn die Rute auch bei dir?" Ich sprach: "Die Rute, die ist hier; Doch für die Kinder nur, die schlechten, Die trifft sie auf den Teil, den rechten." Christkindlein sprach:" So ist es recht; So geh mit Gott, mein treuer Knecht!" Von drauss' vom Walde komm ich her; Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr! Nun sprecht, wie ich's hier innen find! Sind's gute Kind, sind's böse Kind? Theodor Storm (1817-1888) |
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De Winachtsmann sien Engel Vaddern kiek an, watt is de Himmel so rot? Datt sünd de Engels, de backt datt Brot. De backt den Wiehnachtsmann sien Stuten, för all de lütten Leckersnuten. Nu flink de Teller ünnert Bett, und legg jüm hin und weed recht nett. De Sünnerklas steit för de Dör, de Wiehnachtsmann de schickt emm her Wat de Engels hebbt backt, dat schüllt ju probeern und schmeckt datt good, denn heurt se datt gern und de Wiehnachtsmann schmunzelt: "Nu backt man mehr," ach, wenn doch bloas ers Wiehnachen weer. Mündliche Überlieferung, ohne Angaben des Dichters! |
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